Eisscholle

Ich treib auf einer Scholle durch das Meer,

die Luft ist zähflüssig dunkel, das Atmen fällt schwer,

das Eis kriecht durch meine Adern, mir wird heißkalt,

die Scholle treibt schneller, wo sind wir bald.

 

Das Eis wird dünner, ich hör wie es leise kracht,

ich weiß nicht, wie lange es hält,

ich weiß nicht, was es macht, ich hoffe nicht mehr,

die Angst ist vorbei,

es drängt mich nichts mehr, ich werde frei.

 

Langsam überzieht mich das Eis wie ein Kristall,

ich lausche nach dem Ozean, jedem eisigen Widerhall,

die Schneeflocken treiben, wirbeln, fallen ins Gesicht,

das Salzwasser friert und die Kälte sticht.

 

Noch in den Augen gefrieren die Tränen,

feine Eissplitter rinnen durch mich durch,

sie treiben in mir kleine Schollen,

auf einem dunklen Ozean.

 

Ich treib auf einer Scholle durch das Meer,

die Luft ist zähflüssig dunkel, das Atmen fällt schwer,

ich streck mich völlig aus, Eis umfasst mich ganz,

ich fühle die Weite, den eisigen Glanz.

 

Musik: Markus Jahn

Texte: Sinaida Rohlik